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Heute zum Thema: Man lerne eine fremdere Kultur in einer fremden Kultur kennen.

Bonjour!

Nun war also schon wieder die Zeit des Abschieds gekommen. Nach 4 Tagen in der Haupstadt der Grande Nation, warteten wir am Kopfe von Voie 15 auf den train grand vitesse à destination de Zurich.

Die Fahrt hätte so friedlich verlaufen können, wäre nicht eine geschlitzte Reisfressertruppe mit ihren hochwärtsgeschobenen Rollkoffern um die Ecke gebogen. Mein Gemütszustand schwappte von gelassen ruhig gen fuchstüüfelswild über! Nein, nichts gegen diese Leute. Nur der Aspekt ihres kollektiven Auftretens missfällt mir an ihnen. Immer gleich zu 20. hoch. Und bereits auf der Hinfahrt hatten wir die Ehre einer solchen Gruppe! Die Fahrt ging los und während ich mir gemütlich ein Leffe (biére belge) hinter die Binde goss, bekundete mein vis à vis üble Mühe damit, einen bereits abgebrochenen Korken aus einem Weinflaschenhals zu rupfen. „Ich bin ja nicht so“, und wühlte nach dem weltweit bekannten und bewährten Schweizer Sackmesser. Meine Geste wurde oral freudig begrüsst, obwohl ich den Wortlaut nicht fehlerfrei wiedergeben könnte. Kurz darauf erhielt mein Leffe Gesellschaft in Form von Güezi au beurre, Nüssli, Cashnew und Weinbeeren (wobei auch letztere gesalzen waren). Ich dankte meinerseits. Doch noch nicht genug. Ein Becher mit klarem Wässerchen fand den weg zu mir. Dies sei koreanischer Wein, erläuterte mir der Korkenwürger. Koreanisch? Nord oder Süd? Die Atombombenbastler oder die überraschend guten Tschütteler? Oder sind das die gleichen? Egal. Man ist ja für wenig käuflich. Geschmacklich wie farblich deutete aber nichts auf Wein hin, sondern eher auf gestreckten Williams. Nach dem letzten Schlucke wurde der Becher aber wieder postwendend eingefordert, denn es war keiner vöörig und so käme eine Koreanerkehle zu kurz.

Nach diesem Apéro zeigte die Uhr exakt 18.12 Uhr und es war Zeit für Sushi. Alle 18 packten gleichzeitig eine Plastikplatte aus. Holzstäbchen wurden gezückt (im Hintergrund meinte ich das knacken von fallendem Bäumen zu hören und die Holzfräsen im Akkord neue Stäbchen schneiden) und eine Tube mit Sauce wurde herumgereicht. Wohl so eine art Ketschöp einfach mit mehr Spice. Der Geräuschpegel sank zugunsten eines Schmatz und Kaugeräusches. 15 min später lagen die leeren Boxen verpackt in Plastiksäcken in der Gepäckablage.

Die zeit der Siesta brach an und es wurde noch ruhiger. Zeit für mich das erlebte niederzuschreiben und eine Baguette zu verdrücken. Wenig später reckten sich Glieder vor mir und was jetzt geschah würde in unseren Breitengraden als Misshandlung gewertet. Um die versteiften Nacken ihr „liebsten“ zu lösen, schlugen die Männer mit geballter faust (und nicht eben sanft) auf die Rücken ihrer Frauen. Vielleicht diente dieses Ritual ja auch nur dafür um die Rangordnung in der Beziehung zu unterstreichen. Who knows.

In der helvetischen Hauptstadt verliessen und die quirrligen Schlitzaugen und ich darf behaupten in 5 h Zugfahrt mehr über Koreaner gelernt zu haben als die 4 Tage zuvor von den Franzosen (mit ihrer äffigen Sprache).

Alors, meilleur salutation,….oder so. Monsieur le Kolumnist Rohner

 

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