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reiseberichte

Travelreport MUC07
Es waren einmal 9 Studienreisende, die sich wie abgemacht zum vereinbarten Zeitpunkt an einem Ostschweizer Bahnhof trafen, um gemeinsam ein testosterongeladenes Wochenende zu verbringen. Keiner von ihnen war ein Kind von Traurigkeit und so war die Stimmung entgegen der morgendlichen Frühe sehr locker. Mancher wollten es nicht unterlassen einige gute Kästen mitzunehmen. Schliesslich ist der Weg das Ziel. Oder was haben wir noch gelernt? Durst ist schlimmer als Heimweh.

Das Antrittsverlesen verlief ordnungsgemäss und doch fehlte bei vollständiger Vollständigkeit ein Teilnehmer. Dieser stiess später zu uns und die Fahrt verlief friedlich. Zumindest für uns. Einige vergnügten sich mit einem Glücksspiel, andere widmeten sich dem pressen der Brausen. Natürlich wollten wir keinesfalls dem Sprichwort trotzen, dass kein Wasser in den Rhein zu tragen sei (es ist da schon reichlich vorhanden). Also gaben wir uns Mühe kein Bier nach München zu tragen. Zumindest nicht in Originalverpackung.

Unsere Unterkunft befand sich in walking distance vom Bahnhof und so liefen wir dahin. Das Check-in Prozedere verlief zügig. Ein Teilnehmer beschwerte sich über ein zu kurzes Bett, andere diskutierten wer unter welcher Deckenebene zu schlafen habe. Um dem Hunger den Garaus zu machen, genehmigten wir uns danach Haxn und Hopfenteechen. Im Nachhinein fragte ich mich, ob ich meine Pflichten als Ozfhr verletzte, indem ich den Mitreisenden das Traumschloss Münchens (Hofbräuhaus) gleich im Anschluss zeigte. Dies führte zu ungeahnten Ausschreitungen im Durstbereich und sollte für einige fast zum Verhängnis werden. Während eben Teil der Gruppe sich in einem weiteren gemütlichen bayrischen Restaurant dem Kaffee widmete, resp. versuchte, da doch prompt einer dieser Koffeingetränke den Weg über Tischdecke, Hosenbein und Boden des Restaurants fand, meinten andere ein Mässchen in ehren könnten sie nicht verwehren. Den Rückweg zu den gebuchten Matratzen fanden ämel alle und ein Nickerchen wollten viele nicht ausschlagen. Gelegen wurde wo es sich anbot. Oberschenkel oder Fussböden müssen demnach echt bequem sein.

Nun, später zogen wir wieder los Richtung Ausgang. Die Suche einer Lokalität die lokale Speisen anpries, erwies sich als schwer. Schliesslich schlitzen wir ein einem polnischen Restaurant ein Schnitzel mit Pommes. Jemand wollte sich zwar wegen Fisch im Schnitzel beklagen, doch die Argumente (sehr, sehr gross) der Magd erstickten diese sogleich. Ein etwas unsympathischer Zeitgenosse an der Bar schien etwas in Rage zu sein. Ja, woher konnten wir wissen, dass er zuerst Anspruch auf die grossen Argumente erhob? Sofort kam die Idee auf, bei einer allfälligen Beschwerde dessen, auf die altbekannte Methode happy slapping überzugehen. Kameras und Füsse wären in genügender Anzahl vorhanden gewesen.

Die Discomeile fanden wir indem wir verschiedene ausländische Einheimische nach dem Weg fragten. Das Vergnügungsareal verfügte über zahlreiche Möglichkeiten des Amüsements im Bar- und Discobereich. In einer Bar waren Drinks für nur 3 Reichsmark erhältlich und an deren Zusammensetzung gab es nichts auszusetzen. Anschliessend trennten sich die Wege. Während die einen weiter drinkten, beschlossen weitere ein Tanzlokal zu besuchen. In einem solchen wurde ich angehänselt, ob mein Jägermeisterschal etwas mit Pfadfindern zu tun hätte. Herr Polis stellte die Sache mit einem Satz klar. Ich wusste gar nicht was für eine abschreckende Wirkung mein Rang Ozfhr hat. Verschiedene weitere Räuberstorys waren am Frühstückstisch zu hören. Da meinten die einen, sie hätten 50 Ören für Füdli ausgegeben oder andere, sie hätten die Hotelbar um 3 Uhr nochmals öffnen lassen. Jedenfalls vermochten alle das Frühstück zu halten (zumindest jene die erschienen) und das Mineralwasser fand reissenden Absatz.

Der kulturelle Teil sollte folgen. Der Olympiaturm befand sich zwar nicht in walking distance, doch dies widerlegten wir indem wir einfach dahin liefen. Wir warfen mehrere Blicke (nicht zu verwechseln mit der stärksten Zeitung der Schweiz) auf die Stadt und bestiegen die U-Bahn für den Rücktransport. Den entstanden Hunger und Durst bekämpften wir im gleichen Lokal, wo wir tags zuvor Kaffee tranken (oder versuchten). Die Hoffnung, dass uns das Servicepersonal nicht wieder erkennt, zerschlug sich. Auch die Kaffeestory war noch nicht vergessen. Sogleich gab sie bekannt und keinen Kaffee zu servieren. Nun gut, bestellten wir eben Paulaner. Die Mahlzeit stärkte uns sehr. Sogar eine Überraschung in Form eines ULV-Tools für einen neuen Teilnehmer lag noch im Bereich des Erschwinglichen.

Von Durst wurde nun niemand mehr gequält, die meisten aber von Heimweh. Also bestiegen wir bereits die um 16.34 auf Gleis 20 abfahrende Postkutsche gen Helvetien. Im Speisewagen ging’s dann nochmals rüd zur Sache. Nicht was Sie denken, nein Gott b’hüetis. Das „Servicepersonal“ war Stein des Anstosses. Details lasse ich aus, denn mein Reklamationsschreiben würde den Travelreport übertreffen.

Jedenfalls war ich froh, als wir wieder heil zu Hause ankamen. Niemand wurde verletzt, niemand gestohlen, verprügelt, ausgeraubt oder ge-happy-slappt. Eine weitere Reise wird in Bälde stattfinden. Die Interessenten müssen nur noch 358-mal schlafen.

Es war eine gefreute Sache, danke für Ihr zahlreiches Teilnehmen!

Sir Rohner

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