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Der Durst ist in Tschechien zu Hause

06.11.07 ::x::korrigenda: in der neusten kolumne von kelseb ist geschrieben, dass sir rohner den tschechischen bierschnitt nicht toppen konnte, dies ist jedoch falsch. er übertraf ihn bei weitem mit 195 liter. sorry sir rohner.

Von kelseb

Und wieder sind es die Tschechen. Nein, hier geht es weder um Fussball noch um Eishockey. Es geht um Bier. Die Tschechen sind mit Abstand die durstigsten in ganz Europa. Sie saufen sage und trinke 160 Liter Bier pro Jahr. Die Schweizer (und natürlich die Schweizerinnen, obwohl das EVE wohl kaum mitgezählt wurde) bringen es gerade mal auf 58 Liter. Es gibt Leserinnen und Leser, die mögen sich noch an einen Selbstversuch von Sir Rohner erinnern. Er hat seinen Bierkonsum ein Jahr lang akribisch aufnotiert. Aber auch er –sonst ein durstiger Zeitgenosse – hat es nicht annähernd geschafft, die Tschechen zu schlagen. Die Frage, die sich mir daher stellt: Wie schaffen es die Tschechen?

Beschissen oder getrunken?

Empirisch belegen kann ich dies natürlich nicht, aber auf das Glatteis der Spekulation wage ich mich dennoch. Es ist viel einfacher, günstiger, lustiger, halt nicht wissenschaftlich, aber das ist die «künstlerische» Freiheit eines Hobbykolumnisten. Merci. Die einfachste Antwort auf die Frage, wieso die Tschechen so oben aufschäumen, ist, dass die einfach anders messen. Sprich die messen einen halben Liter als einen ganzen oder die trinken Wasser aus Biergläsern und geben es als Bierkonsum an. Aus meinem beschränkten wissenschaftlichen Background weiss ich, dass man immer die Frage stellen muss, wer misst. Es könnte ja sein, dass das tschechische Ministerium für Biertourismus die Zahlen verfälscht, um so noch mehr trinkfreudige Touristen anzulocken. Das bringt einem schon auf die nächste These. Es sind nicht die Tschechen selber, die den hohen Bierkonsum ausmachen, es sind die Touristen. Also du und ich. Wir reisen nach Prag und stillen unseren Durst mit lokalem Gerstensaft. Und schon sieht deren Statistik wieder rosiger aus. Ein Beschiss sondergleichen. Nun gibt es auch eine andere Betrachtungsweise. Die Tschechen sind einfach durstiger. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass in Tschechien gerne auch schon zum Zmittag Bier getrunken wird (Vielleicht auch schon zum Zmorgen, aber dies konnte ich nie beobachten, leider). Ganz gewöhnlich und niemand schaut einem schräg dabei an. Es ist gang und gäbe. Weiter habe ich beobachtet, dass es in Tschechien keine Stangen gibt,  bzw. es gibt sie schon, aber aus denen wird nicht getrunken, sondern an denen wird getanzt (so hab ich mir sagen lassen). So trinken die Tschechen also immer halbe Liter, wo wir eine Stange saugen (Ambiguität). Was natürlich einen hopfigen Einfluss auf das Resultat hat.

Bierlateraler Vertrag

Nach reiflicher Abwägung der Fakten(!), komme ich der Ansicht nahe, dass die Tschechen nicht betrügen, sondern einfach eine bierseligeres Völkchen sind. In der Schweiz ist dies halt anders. Ich plädiere daher für einen bierlateralen Vertrag mit Tschechien. Wir liefern ihnen die Stangen (Gläser) und sie uns die überschüssigen 0.2 Liter. Das würde unsere Statistik aufbessern und die Tschechen müssten nicht immer Halbliter konsumieren. (Ich glaube zwar nicht, dass sie da mitmachen würden, aber geht es bei einem bierlateralen Vertrag nicht darum, dass die Schweiz profitieren kann?)

In diesem Sinne auf an den Verhandlungsstammtisch und zum Wohl!

Postskriptum: Eine swisspi.cx-Delegation wird sich Anfang nächsten Jahres nach Tschechien wagen und die Probe aufs Exempel machen. Vielleicht können sogar erste Gespräche geführt werden. Dabei müsste wir natürlich zuerst die Frau Bundesrätin Michelin anfragen, ob sie uns ein offizielles Mandat erteilt. Oder man könnte auch ohne Mandat nach Tschechien reisen und sie nachher vor vollendete Tatsachen stellen. Sie fragt ja auch nicht nach, ob sie ihre Haare so scheiden/färben soll.

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