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reiseberichte

reisebericht freiburg im breisgau

wie au lit und ich nach freiburg im brsg. reisten

eines abends kam der stift, nennen wir ihn klein aber au lit *, zu mir und schlug mir vor eines fernen tages zu verreisen. in seinem jugendlichen leichtsinn, geprägt von überschäumendem ideenwahnsinn, hatte er schon gewisse vorstellungen welche stadt er gerne erkunden wollte. prag stand zuobert auf seiner wunschliste, da ich aber kein samichlaus bin und die billigflüge mit billgen preisen nur selten etwas am hut haben, verschlug es uns dann nicht weit vom mami (schweizer grenze) enfernt nach freiburg im breisgau. oder auch brsg. geschrieben, was aber kaum aussprechbar ist, egal. die organisation dieser reise übertrug ich dem besagten stift, damit auch der lerneffekt was davon hat, obwohl wir ihn dann doch nicht mitgenommen haben.

als der reisetag kam, stift nervös, ich gelassen wie ein kamillentee, fuhren wir in aller herrgottsfrühe los (7.35). um nicht mit den armen proletarier im selben abteil sitzen zu müssen, schlachteten wir unser sparschwein und gönnten uns die 1. klasse, welche zwar auch mit proletarier gut besetz war, einfach mit solchwelchen mit einem dicken portemonnaie und einem noch dickeren bankkonto. nun gut, da fuhren wir gen basel zu und unterliessen es nicht, in zürich mit den anderen 350'000 erdbewohner umzusteigen. stift fand es in dieser 1.klasse nicht so bequem, die haben ja fängs auch ansprüche. er überlebte es knapp und würdigte dann die 1.kl. im ICE dafür umso mehr. kaum hatten wir uns fürstlich eingerichtet, kam auch schon "nächster halt freiburg im breisgau, bitte nicht alles aussteigen, sonst lohnts sich nicht zum weiterfahren". zum guten glück ist stift eine riesen maschine und erkämpfte uns den ausstieg.

noch immer ausser atem vom "ichwillaussteigenerkämpfen" machte stift schon auf die (meist)gehügelte spezies aufmerksam und brachte den vorschlag diese "anzupacken". da mein magen knurrte und seiner ebenso, gab ich ihm einen korb und schoss die idee in den nebel. auf dem weg zur essensausgabe verkam uns ein weinanbau mitten in der stadt. dieser wollte natürlich besichtig werden. so wurde uns beispielsweise mittgeteilt, dass freiburg die stadt des weines sei. diese information erschien umso paradoxer, als dass es sich bei diesem rebberg um ein rebbergchen handelte und weit und breit kein weiterer zu sehen war. vielleicht sind freiburger auch behutsame, vernünftige oder gar mässige trinker. hallo dachten wir uns, wir befinden uns hier in deutschland, die trinken zwar mässig und zwar mass für mass, aber vernünftig und behutsam das war wohl keinmal so. in diesem punkt kamen wir nicht weiter und so liessen wir das deutsche trinkverhalten deutsches trinkverhalten sein und machten uns auf die jagd nach nahrung.

das erklärte ziel war die martin's brauerei am fressgässle (heisst wirklich so). die mir aus früherer studienreise in hopfiger und malziger erinnerung ist. dort angekommen überkam uns ein hungrig-durstiges gefühl und wir rannten der brauerei die hütte ein. kaum hatten wir gemütlich platz genommen, kam auch schon ein kellner und fragt nach unseren biertechnischen gewohnheiten, darauf antwortet ich, ob er dies nicht für eine indiskretion halte. er gab kühn zurück, er könne dies gut als indiskretion ansehen, aber dann müsse ich halt leider verdursten. gut herr kellner, sie haben gewonnen, bringen sie mir ein grosse und dem stift ein kleines bierchen. wollen ihn ja nicht zum alkoholkonsum überanregen. die bestellung war kaum ausgesprochen, schon standen zwei herrliche, untergährige biere auf unserem tisch und warteten drauf von uns verköstigt zu werden. nach dem ersten schluck schon berichtete mir stift, das bier sei eine äsen güeti. ich pflichtete ihm bei und genoss das dunkle, alsob es ein helles wäre. auch das deftige esse war köstlich, aber um ein so gutes bier herum, kaum erwähnenswert. nach der mund- und magenverwöhnung waren stift und ich nun bereit die stadt zu besichtigen.

aha! die sonja ist aufgegangen und strahl uns an, als hätte sie mit herr mond eine himmlische nacht verbracht. der sonja entegegen, dachten wir uns und steuerten auf eine gotische kirche zu, um unser kulturell-historisches muss abzuhacken. auf dem weg dorhin verkamen uns merkwürdige sachen. so hiess ein restaurant laubforsch obwohl ich dachte dies sei ein tier. ebenso meinte eine strasse, sie heisse friedrich von tschiller. diese tatsache veranlasste mich, den pflichtbewussten pi.cxer, ein foto zu schiesen. der zufall wollte es, dass die optimalen lichtverhältnisse es erfordeten das foto vom fussgängerstreifen aus zu schiessen. so stelle ich mich bei grünem lichtsignal hin, was jedoch einem lastwagenfahrer gar nicht behagte und so musst der arme stift miterleben, wie der lastwagenfahrer die hände verwarf und fluchte, dass man besser die ohren und augen verschliesst. ich, konzentriert aufs fotografieren, bekam davon nichts mit, sonst hätte ich dem lastwagenfahrer freundlichst mit dem deutschen autofahrergruss zurückgewunken.

als das gotische bauwerk abgelichtet worden ist, kam es uns in den sinn, dass die schöne stadt im schwarzwald auch über einen dom verfügt. so änderten wir unser richtung und kehrten zur stadtmitte zurück, wo uns der dom in seiner vollen umbaulichen pracht entgegenstand. sportlich wie stift und ich sind, nahmen wir die 209 treppen zur kasse in angriff. der kassenwärter, der diese 209 stufen mindestens 4 mal pro tag bewältig, müsse über einen sauknackigen arsch verfügen meinte stift. so kam es, dass sich stift für ein praktikum anmeldete. nach diesen 209 wars aber noch nicht fertig, es ging noch einige mehr hoch und auch diese namen wir auf uns mit lockerm schritt. bei glockenturm angekommen, begrüsste uns eine glocke mit einem kräftigen ding-dong, wir zwei, ungefasst wie ein bekifftes pferd, erschraken dermassen, dass wir schier ein herzchriesi bekamen. nach dieser krassen glocken-attacke machten wir uns auf den weg nach unten. glücklicherweise gab es kein gegenverkehr. unten angekommen zeigte ich stift ein kleines schnapsgeschäft, welches den berühmt und vor allem berüchtigten schwarzwald teufer absetzt. stift deckte sich mit einem fläschchen für seine au-lit-bar ein. an der kasse machte mir die kassierin ein kompliment für meine jugendlichkeit, ich fühlte mich geehrt und zeigte ihr als beweis den ausweis. das es sich dabei um eine normale ausweiskontrolle handelte, realisierte ich leider erst später.

nach einem kurzen neutralisierungskaffee begaben wir uns erneut übers bächle zur martin's brauerei. (das bächle ist ein kleiner bach, welcher sich durch die ganze stadt schlängelt. früher diente dieses bächle als abfluss, heute zählt es zum kulturgut der stadt freiburg.) bei der brauerei angekommen, begrüsste uns der kellener mit einem "schon wieder da?". wir verteidigten uns mit der aussagen, dass wir noch das helle versuchen müssten. ich erlaubte stitft diese mal auch ein grosses zu bestellen, dies veranlasste ihn über alle vier backen zu strahlen. nach einem kassensturz entschied sich stift ein mit 2 liter bier gefüllten syphon zu kaufen, hätte er noch zwei backen mehr gehabt, hätte er auch diese strahlen lassen.

da stift kein geld mehr hatte und da mein tageskontingent an bier aufgebraucht war, machten wir uns auf den heimweg. dieser war geprägt von schlaf, dummem gerede, schlaf, dummem gerede et cetera. so ging auch dieser wunderbare tag mit stift zu ende und es wird wohl auch nicht der letzte gemeinsame ausserdienstliche einsatz gewesen sein. danke stift.

sebi@swisspi.cx

*name nicht nur der redaktion bekannt

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