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Dublin 2011 oder adult: affägeil!

Guinness gilt als das irische Grundnahrungsmittel. Als Gast auf der Grünen Insel sollte man das bedenken. (Bild: egs)

Kommt das gut? Diese Frage stellte sich der eine oder andere im Vorfeld der Studienreise 2011. Nicht unberechtigt: 14 (vierzehn) junge Männer im besten Alter drei Tag lang auf der Grünen Insel. Dublin im Rückblick. 

Von Kelly/kelseb/sebi

DUBLIN. Treffpunkt ist kurz nach acht am nicht mehr so einzigartigen Flughafen Zürich. Sir Rohner, unser hochdekorierter Reiseleiter, hatte uns verboten, vorab einzuchecken. Alle hielten sich daran, die meisten hätten es eh vergessen. Sir Rohner checkte die 14 Studienreisenden mit einem geilen Gadget selber ein.  Darum hiess es noch für einige: Bag Drop. Was nach einem neuen Rap von Usher tönt, ist schlicht die Gepäckaufgabe. Gut die Hälfte wollte nicht mal das und nahm das „klei Rucksäckli“ in den Flieger mit.  Die Flugbegleiterin Mirjam wollte unsere Reisegruppe als Polterreise entlarven. Sie lag falsch, tat dies aber mit einem Lächeln, wofür sich sogar Mark Zuckerberg bei Facebook abmelden würde. Der einzige Wehmutstropfen war, dass die deutsche Swiss in der Economy kein Bier anbietet, nur Heineken. Einzig das Duo Heineken (Kümin & Panzer) sah dies anders.

Die Landung auf dem Flughafen Dublin klappte. Ob das daran liegt, weil wir dem Piloten im Nacken sassen, wird wohl ungeklärt bleiben.  Kaum gelandet, stand das erste Pint Guinness auf dem Tisch. Für die einen war das irische Nationalgetränk zu dieser Zeit noch gewöhnungsbedürftig. Das sollte sich ändern. Sir Rohner wollte nicht, dass wir schon im Flughafen-Pub den Allerwertesten unten liessen. Und so hiess es: Einsteigen in einen Bus, der das Lenkrad auf der falschen Seite hat – rechts also. Viele Autos auf der Grünen Insel haben diesen Produktionsfehler. XL, gebildet (oder geblendet) durch jahrelangen Studien im Bereich „Civil Transport on a Higher Level“, kommentierte das Phänomen wie folgt: „Wenn alle das Lenkrad auf der falschen Seite haben, ist es wieder richtig.“ Bald hiess es: Gspändli aussuchen und die sieben Zimmer im Maple Hotel beziehen. Das Zimmer von Wisi und Kelly hatte die Temperatur eines Kühlschrankes. Das Drehen am Radiator war so erfolgreich wie das Nasenbohren mit Fausthandschuhen.  Am zweiten Tag sollte sich dann herausstellen, dass der als Luftbefeuchter getarnte Apparat die Ersatzheizung ist. Wie sollten die beiden Kerle gewusst haben, dass für die irischen Heizungen die Fasnacht schon begonnen hat?

Das erste Mittagessen im irischen Pub war ausgewogen: Neben der Hauptspeise –Guinness - wurde Fish and Chips sowie Burger und Fries bestellt. Gestärkt wie Kühe nach der „Eingebung“ schritten wir zu einem weiteren kulturellen Höhepunkt: dem Besuch des Guinness Storehouse. Bei einer Gruppe von 14 Personen gibt es unterschiedliche Geschwindigkeiten beim Besuch von Museen. So auch bei uns. Beim Tausch Identitätskarte gegen Audioführer war dem Stef nicht derart wohl. Deshalb sammelte er die acht Geräte schon vor der ersten Station ein und holte die vier Identitätskarte wieder zurück. Sicher ist sicher. Die Vorhut der Gruppe war schon nach einige Minuten durch und genoss die letzte Station im Storehouse: die Aussicht und vor allem das Pint in der Gravity Bar. Als die letzten, unter ihnen zwei Gärtner, die Bar erreichte, waren andere schon auf der Suche nach einem nahen Pub. Kultur macht durstig. Jack und Kelly fanden das wohl schmuddeligste Pub der irischen Metropole. Es roch nach Kompost, sah aus wie das Museum des Schundes und die Gäste wären im Gruselkabinett gut aufgehoben. Nach einem Guinness, serviert vom Kellner mit Zahnlücken, war das erste mal an diesem Abend die Flucht angesagt. Es sollte bald eine zweite folgen.
Unterdessen fand Sigi und das Duo Heineken ein saubereres Pub: Hill Top. Es ist, wie das Guinness Storehouse, auch am anderen Ufer des Flusses Liffey. Zur Begrüssung in diesem Pub gab es von einem grauen Panter „a warm Welcome“: Den Spruch „enjoy your life“ gepaart mit einem Schulterklopfen. Freundlich könnte man meinen.  Nach und nach tröpfelte die gesamte Reisegruppe im Hill Top ein. Draussen regnete es. Drinnen war es war, sehr warm. Der graue Panter und sein kleiner Kollege unterliessen es nie, einen von uns zu umarmen oder zu knuddeln, wenn sie jeweils die Toilette aufsuchten. Und das kam häufig vor, eine schwache Blase als Motiv wäre noch edel gewesen. Uns dämmerte langsam, dass die sexuelle Orientierung nicht bei allen in diesem Pub dieselbe war, die Tapete verfärbte sich vor dem geistigen Auge in Pink. Der Verdachte bestätigte sich, als der graue Panter einem von uns einen Kuss aufdrückte und der kleine Kollege einem anderen seine Hände zur Massage auf die Schultern legte. Wir entschieden uns zur gestaffelten Flucht. Wer zwischen dem letzten Schluck Guinness und dem Verlassen des Pubs zu viel Zeit verstreichen liess, kam noch in den Genuss einer finalen Umarmung des grauen Panters. Der irische Regen kam einem da wie eine willkommene Abkühlung vor.

Die nächsten Stunden waren geprägt von einem ausgiebigen Nachtessen in einem Pub in der Temple Bar. Während des Essens äusserte XL wieder eine Weisheit. Diese hat zusammengefasst folgenden Inhalt: Wer Fish and Chips nicht auf der Strasse ist, ist ein Banause. Trotzdem schmeckte auch dieses Menü vorzüglich. Der Weine hingegen nicht. Die einzige Qualität, die er vorzuweisen hatte, war, dass er keinen Zapfen hatte – was vielleicht daran lag, dass er ein Drehverschluss hatte.  Nach dem Essen genehmigte sich die vierzehnköpfige Gruppe einen (oder zwei?) Drinks im Fitzsimons. Irgendwann ging es dann in Richtung Hotel. Im Pub um die Ecke gab es nicht mehr für jeden von uns ein Guinness. Grund ist eine irische Besonderheit: Wenn dem Mann hinter der Bar die Pupillen und die Schuhe einer Person vor der Bar zu rund sind, muss die ganze Gruppe auf Getränke – auch nichtalkoholische – verzichten. Und verlässt folglich das Pub. So handhabten auch wir das. Für die Spätdurstigen gab es aber in der Hotelbar, musikalisch umrahmt, noch einen Schlummi (oder waren es vielleicht wieder zwei?).

Am ersten Morgen nach der ersten Nacht erschienen alle zum Frühstück. Das „volle“ irische Frühstück bestellte jeder, die Würstchen und Bohnen auf dem Teller ass dann kaum einer vollständig auf. Wer vorab ein Basenpulver eingenommen hatte, der konnte gehöriger zuschlagen. Nach der irischen Frühverköstigung wollten einige die umliegenden Läden erkunden, um etwa einen Schal zu kaufen. Wie Panzer schon am ersten Tag bemerkte: „Es ist nicht vörrig warm.“ Dieser scharfsinnigen Analyse stimmten die meisten Studienreiser zu. Einen Schal konnte Panzer trotzdem zu dieser Zeit, kurz nach neun Uhr am Samstag, nicht erwerben: die Läden hatten noch geschlossen. Was Panzer zu seiner nächsten Analyse verleitete: Kein Wunder gehe es der irischen Wirtschaft so schlecht, wenn die Läden erst so spät öffnen, stellte Panzer mit ökonomischem Durchblick fest.

Und schon stand der erste Pubbesuch auf dem Programm. Man passt sich ja schliesslich den Gepflogenheiten seines Gastlandes an. Zum Start etwas Leichtes: ein kühles Lagerbier im „Mother Kelly’s“. Dann, zirka um elf Uhr, sollte sich die Gruppe zum ersten Mal an diesem Tag sammeln. Sir Rohner stellte mit einem Lachen (wie vom Rüssel eines Elefanten gekitzelt) fest, dass die Gruppe vollständig und unverletzt war.

Zu Fuss, wie auf Studienreisen üblich, verschob die Gruppe zur Jameson Distillery. Die Gruppe schaffte es sogar, ohne einzukehren das Ziel zu erreichen. Das ist die gleiche Leistung, wie wenn ein Fussballverrückter einen herumliegenden Ball nicht kickt. Just in time erreichte die vierzehn Ostschweizer Jameson, es startete gerade eine Führung. Diese kam zwar bezahlten Werbefahrt gleich, war aber ziemlich interessant und sympathisch. So erzählte der Jameson-Guide – belive it or not! – viel über die Herstellung von Jameson Whiskey und die Geschichte des Unternehmens.  Am Schluss gab’s für jeden einen Whiskey zum Probieren. Sigi und XL  durften sogar als Tester amtieren und erhielten ein Zertifikat. Für beide bis jetzt der höchste Schulabschluss. Wer ein Reissen hatte, deckte sich noch mit Jameson-Fanartikeln ein.

Erneut zählte Sir Rohner die Gruppe. Immer noch vollständig. Das Mittagessen sollte im ältesten Pub von Irland eingenommen werden: im The Brazen Head. Dieses Urgrossvater unter den Gaststätten ist im Jahr 1198 eröffnet worden; im selben Jahr in dem die Schweiz zum letzten Mal Fussballweltmeister wurde. Panzer verreckte schier am Schatten ob seines Menüs. Und auch dem Rest schmeckten die Gerichte vorzüglich. Wäre das nicht so, würde das Pub wohl nicht schon so lange existieren.

Am Nachmittag gab uns Sir Rohner frei – oder sich, wie man will.  Zwei Drittel wollten Shoppen gehen. Taten dies auch und machten wohl noch ein Mittagsschläfchen im Hotel. Wisi und Keule wollten die Haare schön und gingen zum Coiffeur. Sieben Euro blätterten sie für ihre neue Frisur hin. Unspektakulär und schnell beschrieben die beiden die Erfahrung, etwa so wie die meisten ihr Erstes Mal beschreiben. Währenddessen machte sich Sigi, Stef, XL und Kelly auf die Suche nach dem ältesten Pub von Dublin. Es heisst The Bleeding Horse. Wie die Rechnung mit dem ältesten Pub Irlands aufgeht, lässt sich nicht erklären. Hauptsache beide haben offen, nicht? Nach einem kurzen Zwischenstopp in einem Zwischenpub fanden die vier Harten das blutende Pferd. Ein schickes mit viel Holz ausgestattetes Pub auf zwei Stöcken. Die Harten liessen den Allerwertesten unten und frönten dem irischen Lifestyle: Guinness trinken und diskutieren. Etwas später stiessen die frisch Frisierten zu den Vieren, um ihnen Gesellschaft zu leisten und ihren Durst zu stillen.

Sir Rohner bestellte die Bleeding-Horse-Connection auf 20.30 Uhr ins Hard Rock Cafe. Deshalb blieb nicht etwas Zeit, einzukehren. Die runden Schuhe und Augen eines Studienreisenden machten es wieder einmal nötig, ein Pub zu wechseln. Was in einer Stadt wie Dublin kein Problem ist. Im neuen Pub durften wir Bekanntschaft mit dem irischen Weib machen: durstig, kommunikativ und singend. Das Aussehen soll hier mal nicht bewertet werden. Netterweise spendierte eine kurz vor der Hochzeit stehende Irin netterweise ein Guinness - und dies trotz Wirtschaftskrise.

Die Zeit drängte, und deshalb bot sich eine Taxifahrt zum Hard Rock Cafe an. Der Taxifahrer beklagte ein wenig die grosse Konkurrenz in der Hauptstadt Irlands. Gemäss ihm fahren in Dublin 14'000 Taxis. Deshalb war die Fahrt auch entsprechend günstig. Im vereinbarten Restaurant gab es wieder Speis und Trank.  Üppige Portionen wurden serviert, und so hatten einige schon nach der Vorspeise genug. Aber sie kämpften sich mehr oder weniger erfolgreich durch die Hauptspeise  - Dessert überflüssig. Bei einigen war nach dem Abendessen Schluss, sie kehrten zurück ins Hotel.  Andere genossen noch das eine oder andere Pint im Ausgehviertel Temple Bar und kehrten früher oder später ins Hotel zurück. Drei Mann, wollten noch nicht gehen, sie wollten noch ein bisschen bleiben.

Diese drei, Jack und seine Hintermänner Titten und Kümin, hatten noch einen Auftrag. Die beiden Studienreise-Novizen mussten noch ein „Souvenir“ besorgen. Jack, General der kleinsten Privatarmee, instruierte sie. Vom Erfolg des Auftrages erfuhren die restlichen Studienreisende noch in der Nacht. Die Neuen und Jack stürmten die Hotelzimmer – nicht nur die der Ostschweizer – und zeigten ihr „Souvenir“. Sie wendeten es gar gleich an. Zur Freude oder zum Leid, das  musste jeder für sich selber entscheiden.

Und schon hiess es wieder Abschied nehmen. Noch kurz ein irischen Frühstück und der Flughafen musste angesteuert werden. Einige hauten noch ihre letzten irischen Euros im Duty-Free auf den Kopf. Ein letztes Guinness, und der Flieger hob schon wieder in Richtung Schweiz ab – mit der vollständigen Studienreise-Crew, man staune.

In der Schweiz gelandet, zögerten ein paar Verwegene das Ende der diesjährigen Studienreise noch um Stunden hinaus. Lokalitäten dieser Verzögerungstaktik waren Schweizer Beizen – alles andere ist Beilage.

Auf die nächste Studienreise unter den Fittichen von Sir Rohner dürsten die Studienreisenden bereits jetzt.

Postskriptum: Bilder sollten folgen.

 
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